Das Graphische User Interfaces zur Ansteuerung der LED-Beleuchtung wurde Basis des zirkadianen Rhythmus definiert und entwickelt.
Gerhard Peharz von EcoCan GmbH: "Das Projekt hat damit nicht nur unser Wissen erweitert, sondern auch neue Impulse für Innovation und Kooperation geschaffen."
Intelligente Beleuchtung für gesündere Arbeitsplätze
Veröffentlicht 16. September 2026
Künstliche Beleuchtung beeinflusst Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. JOANNEUM RESEARCH unterstützte Unternehmen dabei, mit Human Centric Lighting und intelligenten Steuerungskonzepten Arbeitsplätze gesünder und komfortabler zu gestalten.
Gehen wir heute zur Arbeit, verbringen wir einen Großteil unserer Zeit in Innenräumen. Oft mit künstlicher Beleuchtung und teilweise mit wenig oder ganz ohne Tageslicht. Das beeinflusst nicht nur unseren Sehkomfort, sondern kann sich auch auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirken. Die Forscher*innen von JOANNEUM RESEARCH haben Unternehmen dabei begleitet, mit Hilfe des Konzepts Human Centric Lighting und der Implementierung intelligenter Steuerungskonzepte, Produktlösungen zu entwickeln, welche die Lichtsituation in unterschiedlichen Anwendungsbereichen verbessern kann.
Durchdachte Beleuchtung bringt bessere Ergebnisse
Human Centric Lighting (HCL) ist ein Konzept, das sich an den visuellen, biologischen und emotionalen Bedürfnissen des Menschen orientiert und Beleuchtung entsprechend gestaltet. Dank moderner LED-Technologie lassen sich Lichtfarbe und Helligkeit flexibel steuern und an den natürlichen Tageslichtverlauf anpassen.
In Unternehmen kann eine gut geplante Beleuchtung unter anderem die Konzentration der Mitarbeiter*innen fördern, deren Leistungsfähigkeit unterstützen und dazu beitragen, Fehler zu reduzieren. Das Institut für Sensorik, Photonik und Fertigungstechnologien der JOANNEUM RESEARCH hat drei Klein- und Mittelbetriebe mit unterschiedlichem Produktportfolio begleitet, Konzepte zu innovativen Lichtlösungen basierend auf HCL zu erstellen.
Das Büro intelligent beleuchtet
Im Rahmen des Projekts wurde ein bestehender Demonstrator von G² Industrial Engineering GmbH als intelligentes Beleuchtungssystem konzeptuell weiterentwickelt, das sich automatisch an seine Umgebung anpasst. Das Beleuchtungssystem kombiniert in ihrer Lichtfarbe unterschiedlich warme und kühle LEDs und passt Lichtfarbe sowie Helligkeit automatisch an die jeweilige Situation an. Sensoren erfassen dafür unter anderem das Umgebungslicht und die Anwesenheit von Personen. Auf Basis dieser Daten passt sich das System die Beleuchtung an und orientiert sich so am natürlichen Tageslichtverlauf. Der Demonstrator zeigt, wie sich Beleuchtung im Tagesverlauf dynamisch anpassen lässt und dadurch eine angenehmere Arbeitsumgebung schafft.
Das Labor am Handgelenk
Ein weiterer Demonstrator verfolgt einen besonders personalisierten Ansatz. Dabei dienen beispielsweise Puls oder andere am Handgelenk gemessene Vitaldaten als Grundlage, um das Lichtspektrum in Echtzeit anzupassen. So kann die Beleuchtung individuell auf aktuelle Bedürfnisse von Nutzerinnen oder des Nutzers reagieren.
Neue Lichtlösungen brauchen neue Bewertungsmaßstäbe
Das Unternehmen EcoCan GmbH entwickelt Lichtlösungen im Innen- und Außenbereich. Im Projekt wurden Leuchten des Unternehmens vor allem hinsichtlich ihrer Blendwirkung untersucht und mit den geltenden Bewertungsstandards verglichen. Ausgangspunkt waren Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden, deren subjektive Wahrnehmung der Lichtqualität nicht immer mit den standardisierten Kennwerten übereinstimmte.
Die Analysen zeigten, dass bestehende Normen den technischen Fortschritt nicht in allen Bereichen ausreichend abbilden. „HCL4KMU hat uns geholfen, Human Centric Lighting und dessen Nutzen für unsere Kunden deutlich besser zu verstehen. Dadurch konnten wir die Potenziale von HCL für moderne Beleuchtungsprojekte besser einordnen und in unsere Entwicklungsarbeit integrieren.“ beschreibt Gerhard Peharz von EcoCan GmbH den unmittelbaren Mehrwert aus dem Projekt.
Innovative Lichtlösungen bieten Vorteile, die sich mit den derzeitigen Standardwerten nur eingeschränkt nachweisen lassen und Kundinnen und Kunden entsprechend erläutert werden müssen.
Die richtige Beleuchtung ist individuell
Schon mit einfachen Maßnahmen können Unternehmen die Beleuchtung am Arbeitsplatz deutlich verbessern. Eine allgemeingültige Ideallösung gibt es jedoch nicht. „Maßnahmen sollten immer individuell gesetzt werden“ erklärt Experte Christian Krutzler von JOANNEUM RESEARCH. Im besten Fall könne für eine bestimmte Anwendung und spezifische Rahmenbedingungen das angemessene Licht zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitgestellt werden.
Wie effektiv die Maßnahmen seien, hänge trotzdem immer noch von den jeweiligen Vorlieben und Gewohnheiten ab. „Sinnvoll ist, die Mitarbeiter*innen für die Wirkung von Beleuchtung zu sensibilisieren und aufzuklären, damit diese eigenständig auf das Thema achten können“, fügt Experte Christian Krutzler von JOANNEUM RESEARCH hinzu.
Gemeinsam forschen bringt neue Unternehmensperspektiven
Blendung und visueller Komfort finden in der aktuellen HCL-Diskussion noch kaum Platz. Das war eine der wichtigen Erkenntnis aus dem Forschungsprojekt, insbesondere für die Produktentwicklung von EcoCan GmbH.
Im Mai dieses Jahres wurden die Projektergebnissen auf dem Lichttechnischen Kongress 2026 in Tulln präsentiert, im Juni bei der e·nova in Pinkafeld. EcoCan GmbH war in Tulln mit dabei. „Daraus entstanden erste Gespräche mit einem österreichischen Leuchtenhersteller über mögliche gemeinsame Entwicklungsaktivitäten. Das Projekt hat damit nicht nur unser Wissen erweitert, sondern auch neue Impulse für Innovation und Kooperation geschaffen.“ Zeigt sich das Gerhard Peharz begeistert.
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