Die Mitarbeiter*innen der teilnehmenden KMU am Micro-credential "Filamentbasierter 3D-Druck"
Die Teilnehmenden entwarfen und druckten ihre eigenen Projekte, wie ein 3D Modell eines Innenraums oder Komponenten für einen Prüfaufbau.
Vom digitalen Entwurf zum eigenen Bauteil – „Filamentbasierter 3D-Druck“ für Klein- und Mittelbetriebe direkt in der Region
Veröffentlicht 18. September 2026
3D-Druck ist längst mehr als eine Technologie für Prototypen. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen eröffnet die additive Fertigung neue Möglichkeiten, individuelle Bauteile, Vorrichtungen, Ersatzteile oder Kleinserien flexibel und vergleichsweise schnell herzustellen. Doch um diese Potenziale im eigenen Betrieb nutzen zu können, braucht es neben der passenden Technologie vor allem eines: praktisches Know-how.
Genau hier setzte das Micro-Credential „Filamentbasierter 3D-Druck“ der CU Hochschule Kärnten an. Micro-Credentials sind kompakte Weiterbildungen, die erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten mit einem Zertifikat bestätigen. Gemeinsam mit dem DIH SÜD und den Karnischen Werkstätten wurde die Hochschulweiterbildung von Februar bis Mai 2026 direkt in Kötschach-Mauthen angeboten.
Vom Material bis zum fertigen Bauteil
Das Ziel des Kurses war klar: Die Teilnehmer*innen sollten filamentbasierten 3D-Druck nicht nur kennenlernen, sondern anschließend in der Lage sein, die Technologie eigenständig und zielgerichtet einzusetzen. Filamentbasierter 3D-Druck ist ein Verfahren, bei dem ein dünner Kunststofffaden (Filament) erhitzt, Schicht für Schicht aufgetragen und so zu einem dreidimensionalen Objekt aufgebaut wird. Die Methode eignet sich für den Einstieg in die additive Fertigung besonders gut: Die Geräte sind vergleichsweise einfach zugänglich und die Einstiegskosten niedrig.
„Was mich am 3D-Druck besonders begeistert, ist die Möglichkeit, eine digitale Idee innerhalb kürzester Zeit in ein reales Bauteil zu verwandeln und tatsächlich in den Händen zu halten. Genau diese direkte Verbindung zwischen Idee, Konstruktion und Umsetzung macht die Technologie so greifbar und eröffnet viel Raum für Innovation.“ erläutert Sandra Schulnig, wissenschaftliche Leiterin des Lehrgangs und Forscherin an der CU Hochschule Kärnten / ADMiRE Research Center.
3D-Druck als Werkzeug für KMU
Für Unternehmen sieht Sandra Schulnig vor allem dort Potenziale, wo individuelle Lösungen, schnelle Anpassungen oder kleine Stückzahlen gefragt sind. Der filamentbasierte 3D-Druck kann dadurch auch für kleinere Betriebe ein praktisches Werkzeug für Produktentwicklung und Fertigung werden.
An vier geblockten Kurstagen beschäftigten sich die Teilnehmer*innen aus den beteiligten Unternehmen mit verschiedenen Kunststoffen, Druckertypen und Druckparametern ebenso wie mit Wartung und Troubleshooting. Darauf aufbauend folgten CAD-Konstruktion und 3D-Scanning.
Ein Kern des Formats war der konsequente Hands-on-Ansatz. Die Teilnehmer*innen arbeiteten nicht nur mit vorbereiteten Beispielen, sondern entwickelten eigene Projektideen und setzten diese selbst um. Sie wählten Materialien aus, konstruierten oder digitalisierten Bauteile, ermittelten die geeigneten Druckparameter und fertigten ihre Modelle am 3D-Drucker. Entstanden sind unter anderem eine Werkzeughalterung für die Werkstatt, eine „Zahnfeeschachtel“ für einen Zahntechniker oder ein Gehäuse für einen Elektronikteil.
Lernen durch eigenes Ausprobieren
Der Kurs spannte den Bogen vom grundlegenden Verständnis der Technologie hin zur konkreten Anwendung. Entscheidend war dabei das Lernen an Übungsprojekten – inklusive der Fehler und Anpassungen, die beim Drucken entstehen. Für Kevin Truckenthanner, Kursteilnehmer und Geschäftsführer von Heylogix e.U., zeigte sich damit der große Mehrwert der Weiterbildung „In meinem Projekt habe ich ein Gehäuse für den Audio-Player konstruiert und gefertigt. Weil der erste Druck noch nicht sauber war, habe ich Temperaturen, Druckparameter und Materialsystem angepasst, bis das Ergebnis stimmte. Genau dieses Troubleshooting hat mir die Technologie am besten nähergebracht: Man versteht nicht nur, wie 3D-Druck funktioniert, sondern warum.“
Praxis, Austausch und ein Abschluss mit Zertifikat
Beim abschließenden „Show & Discuss“-Tag präsentierten die Teilnehmer*innen ihre Projekte und diskutierten die Ergebnisse. Eine Industrie-Keynote sowie der Besuch bei der dreiDP GmbH zeigten, wie additive Fertigung bereits heute praktisch und industriell eingesetzt wird. Im Mittelpunkt standen Austausch, Feedback und konkrete Anwendungen. Der Kurs wurde als Micro-Credential der CU Hochschule Kärnten mit 1,5 ECTS und Zertifikat abgeschlossen. Aufbauende Angebote der CU Hochschule Kärnten ermöglichen es Interessierten, ihre Kompetenzen im Bereich 3D-Druck anschließend weiter zu vertiefen..
Weiterbildung direkt in der Region
Der Kurs fand im Smart Lab in den Karnischen Werkstätten in Kötschach-Mauthen statt. Moderne Infrastruktur, wissenschaftliche Expertise und praktische Anwendung kamen damit direkt in Oberkärnten zusammen. „Für uns war entscheidend, hochwertiges Hochschulwissen direkt in die Region zu holen. Der Micro-Credential-Kurs hat gezeigt, dass technologische Weiterbildung auch abseits der Ballungsräume hervorragend funktioniert – praxisnah, persönlich und mit direktem Bezug zu den Menschen und Betrieben vor Ort“, zeigt sich Nicole Mitsche von den Karnischen Werkstätten begeistert.
In Zusammenarbeit mit den Karnischen Werkstätten bringt der DIH SÜD Wissen direkt in die Regionen. Weiterbildungen direkt vor Ort sparen Anfahrtswege und stärken regionale Know-how und Innovationskompetenz. Der über den DIH SÜD finanzierte Kurs war für KMU kostenlos und erleichterte damit den Zugang zu Hochschulweiterbildung.
Das Format zeigt: Innovation muss nicht in den Ballungszentren beginnen. Manchmal beginnt sie mit einer guten Idee, einem 3D-Drucker – und dem richtigen Wissen direkt vor Ort.
Welche Weiterbildung in der Digitalisierung brauchen Sie?
Der DIH SÜD umfasst mit seinem Angebot ein breites Spektrum an Digitalisierungsthemen. Die Inhalte reichen von Produktion und Fertigung über Kreislaufwirtschaft bis hin zu Daten und Künstlicher Intelligenz. Wir gestalten unser Programm möglichst vielfältig und greifen Themen auf, die aktuell in der Praxis gebraucht werden. Haben Sie einen Wunsch für eine Weiterbildung im Bereich der Digitalisierung? Dann schreiben Sie uns gerne unter info@dih-sued.at.
Praxisnahe Workshops rund um Digitalisierung
Der DIH SÜD veranstaltet Workshops und Weiterbildungen zu unterschiedlichen Themen der Digitalisierung. Gibt es ein Thema, dass Sie besonders interessiert? Dann melden Sie sich gerne bei uns unter info@dih-sued.at.